Gangolfskapelle mit Brunnenhaus


Gangolf war ein Ritter am Hof des merowingischen Königs Pippin. Seine Verehrung als Quellen- und Pferdeheiliger erfuhr im 11. Jahrhundert einen ersten Höhepunkt. Der Wolpertswender Gangolfsbrunnen wird erstmalig im 17. Jahrhundert erwähnt.

1695 wurde über einer Quelle die heutige sechseckige Kapelle errichtet, vermutlich, indem ein Brunnenhäuschen um den Altarraum erweitert wurde. Den Altar zieren heute die Figuren des Kapellenpatrons Gangolf, sowie der hl. Appolonia und der hl. Agatha. Das Gemälde mit der sog. Brunnenprobe, das einst als Altarbild diente, ist ein Frühwerk von Anton Sohn (1769-1841) aus dem Jahr 1790.

Bis ins 19. Jahrhundert war die Kapelle ein wichtiges Wallfahrtsziel für die Bauern aus der Umgebung, die aus Dank für die Heilung ihrer Tiere Hufeisen an die Kapellentür nagelten. Die ursprüngliche Quelle versiegte 1924 nach einem Rohrschaden. Bei der Kapellenrenovierung im Jahr 2013-2015 wurde die Quelle unter der Kapelle neu gefasst, so dass heute das Plätschern des Wassers wieder zu hören und zu sehen ist.

Die angebaute Klause war bis Ende des 18. Jahrhunderts nacheinander von mehreren Einsiedlern bewohnt. Später diente sie der Ordensfrau Viktoria Hecht (1840-1890), der "Stigmatisierten von Wolpertswende" als Wohnhaus und Krankenlager.

Im Rahmen einer umfassenden Renovierung von 2013-2015 wurden die Fundamente der Kapelle neu unterfangen. Dabei wurden Balken aus dem Fundament geborgen, die aus dem Jahr 1616 datieren. Aus einem dieser Balken fertigte der Wolpertswender Schnitzer Peter Hecht im Jahr 2015 ein Kreuz für den Hochaltar der Kapelle.

Die Gangolfskapelle ist Teil des Kapellenwegs "zwischen Schussen und Seen". Die Kapelle und das Brunnenhaus sind tagsüber geöffnet.

Am Gangolfsfest findet eine feierliche Prozession von der Kirche zur Kapelle statt. Mit verschiedenen Gottesdiensten und sonstigen Aktivitäten wird sie während der Sommermonate mit geistlichem und kulturellem Leben erfüllt.