29. Sonntag im Jahreskreis, 22. Oktober 2017


Weltmission (Mt 22,15-21)

Liebe Schwestern und Brüder,
Anfang dieses Jahres verkündete Papst Franziskus, dass er nicht mehr auf den vatikanischen Euromünzen dargestellt werden wolle, d.h. auf den Münzen des Jahres 2017 ist nur noch das päpstliche Wappen zu sehen, aber nicht mehr das Konterfei des Papstes. Es sei, so heißt es, seine persönliche Entscheidung gewesen. Vielleicht wollte er auf diese Weise nicht mehr in die zweifelhaften Geschäfte der Vatikanbank verwickelt werden, wer weiß …

Jetzt ist es zunächst ja mal nicht verwerflich, auf einer Münze abgebildet zu sein; ganz im Gegenteil! Vielleicht erinnern Sie sich noch an die alten Zwei-Mark-Stücke, auf denen die Bundeskanzler oder Bundespräsidenten abgebildet waren. Oder erinnern Sie sich an die alten DM-Scheine, auf denen berühmte Persönlichkeiten aus der deutschen Geschichte abgebildet waren wie Clara Schumann, Carl Gauß oder die Gebrüder Grimm. Auf den heutigen Euro-Münzen sind zwar keine Personen mehr abgebildet, aber dafür werden Bauwerke mit einer Sonderserie geehrt, wie z.B. die Porta Nigra, der Kölner Dom oder aus Baden-Württemberg das Kloster Maulbronn. Auf einer Münze oder einem Geldschein abgebildet zu sein, ist also auf jeden Fall eine Ehre!

Zur Zeit Jesu war die Sache ein wenig anders gelagert. Die römischen Kaiser „verewigten“ sich natürlich auch auf den Münzen. Man wollte ja schließlich in Erinnerung bleiben! Allerdings hatten die Kaiserbilder auch einen ganz praktischen Nutzen, denn man konnte anhand der Bilder den Wert einer Münze ganz gut einschätzen, da z.B. Silbermünzen ganz unterschiedliche Anteile an Silber enthielten, je nachdem, unter welchem Kaiser sie geprägt wurden.
Das Problem in Palästina war, dass die Römer den Juden das römische Geld als einzig gültiges Zahlungsmittel aufzwangen, d.h. mit jeder Münze, die die Juden in die Hand nahmen, wurden sie daran erinnert, dass Palästina ein besetztes Land war und dass sie von der Besatzungs-macht unter anderem finanziell ausgepresst wurden, z.B. von den Zöllnern. Deshalb gab es im Tempel Geldwechsler – wir hören davon, dass Jesus sie aus dem Tempel vertreibt – denn im Tempel konnte nicht mit römischem Geld bezahlt werden, sondern der Tempel hatte eine eigene Währung.
Hinzu kam, dass sich die römischen Kaiser von Anfang an als Götter bzw. als gottgleich verehren ließen, und die Juden, die sich ja – im Gegensatz zu uns Christen – an das erste der Zehn Gebote hielten, wonach man von Gott kein Bildnis anfertigen durfte, hielten das erst recht für ein Sakrileg!

Damals, mit den römischen Münzen, war es ganz offensichtlich: Geld regiert die Welt! Wer das Geld hatte und wer es prägen ließ, der hatte auch die Macht über diejenigen, die mit diesem Geld ihr Leben bestreiten mussten, und er hatte die Macht, von diesen Leuten das Geld in Form von Steuern auch zurückzufordern, denn: es gehörte dem Kaiser ja faktisch. Deshalb begab sich Jesus auf unsicheres Terrain, als ihm einige Anhänger des Königs Herodes, der ja selber ein König von Roms Gnaden war, eine Falle stellen wollten, indem sie ihn fragten, ob es wohl für einen Juden legitim war, dem Kaiser – also der verhassten Besatzungsmacht – Steuern zu zahlen und damit dieses System auch noch zu stützen. Immerhin hatte Jesus unter seinen eigenen Jüngern einen, der das ganz klar ablehnte, nämlich den Zeloten Simon. Die Zeloten hatten das erklärte Ziel, die römische Besatzungsmacht zu sabotieren und schließlich zu stürzen, mit allen Mitteln, notfalls auch mit Gewalt. Von dem her war die Antwort Jesu wohl auch für seine eigenen Jünger höchst interessant! Jesus war aber offenbar schlagfertig, denn er pariert die Falle gleich zweimal! Wenn man genau liest, dann fällt etwas auf: Die Jünger des Herodes fragten Jesus zunächst ja ganz allgemein, ob man dem Kaiser Steuern zahlen dürfe. Doch Jesus antwortete ihnen, sie sollten ihm die Münze einmal zeigen. Dabei konnte er eigentlich gar nicht wissen, dass sie eine Münze dabeihatten. Sie hatten aber eine Münze dabei – und waren damit schon das erste Mal blamiert, denn für fromme Juden war allein schon der Besitz einer römischen Münze Blasphemie. Das kennen wir ja aber auch aus unserer Gegenwart: Offiziell entrüstet man sich immer über irgendeinen Missstand und fordert große moralische Standards, aber wenn’s einem in dem Kram passt, dann macht man selber mit bzw. hält sich nicht an seine eigenen Forderungen. Ein aktuelles Beispiel dafür ist das Nobelkommitee, das einerseits den Friedensnobelpreis an eine Organisation verleiht, die sich gegen Atomwaffen stark macht, das andererseits aber sein Geld teilweise in Rüstungsfirmen angelegt hat.

Und dann gab Jesus die berühmte Antwort: Wenn auf dieser Münze der Kopf des Kaisers abgebildet ist, dann könnt ihr diese Münze dem Kaiser auch zurückgeben! (Mt 22,21) Doch dann ergänzt er eine Antwort, nach der die Jünger des Herodes gar nicht gefragt hatten: Aber dann gebt auch Gott, was Gott gehört!

Liebe Schwestern und Brüder,
nun ist heute gleichzeitig der Sonntag der Weltmission. „Mission“ war ja ursprünglich die Bekehrung der „Heidenkinder“ zum Christentum. Darum geht es heute wohl nur noch am Rande. „Mission“ bedeutet heute viel mehr Entwicklungshilfe in Ländern der Dritten Welt. Besonders jetzt vor Weihnachten ist die Spendenbereit-schaft in Deutschland wieder sehr hoch. Doch leider regiert auch in der sog. Entwicklungshilfe oft das Geld die Welt. Manchmal hat eine gut gemeinte „Entwicklungshilfe“ z.B. in Afrika schon dazu geführt, dass sich die heimische Wirtschaft leider nicht entwickelt, sondern zurückentwickelt hat, weil die importierten Produkte billiger waren als die vor Ort produzierten.

Ich finde deshalb heute dieses Zusammentreffen zwischen dem Auftrag zur Weltmission und dem Wortspiel Jesu mit der römischen Münze ganz interessant: Jesus hatte offenbar ein ganz entspanntes Verhältnis zum Geld. Er sagt: Tut mit dem Geld das, wozu das Geld da ist, z.B. Steuern zahlen. An einer anderen Stelle sagt er sogar: Macht Euch Freunde mit dem Geld (Lk 16,9)! Das geschieht z.B., wenn wir eine Hilfsorganisation unterstützen oder wenn wir in Ravensburg einem Bettler einen Euro in die Mütze werfen.
Aber er sagt auch: Das Materielle allein darf für uns Christen nicht der alleinige Anspruch sein! Wir dürfen uns als Christen nicht damit begnügen, zu sagen: Wieso, ich zahl doch Steuern oder ich unterstütze doch Hilfs-organisationen! Jesus sagt: Tut mit dem Geld, wofür es da ist, aber gebt Gott, was Gott gehört! – Und ich möchte hinzufügen: Und gebt dem Menschen, was dem Menschen gehört: seine unantastbare Würde! – So wie es in der Lesung aus dem Buch Jesaja geheißen hat: Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, ich habe dir einen Ehrennamen gegeben, ich habe dir einen Gürtel angelegt – obwohl du mich gar nicht kanntest. (Jes 45,4-5) Das wäre mal eine spannende Art der „Weltmission“ … Amen.